Sonntag, 10. April 2016

"So eine Vögelei..." ...

Das pflegt mein Vati immer zu sagen, wenn sich vor den Stubenfenstern allerlei Singvögel um die Sonnenblumenkerne balgen.
Das schöne am Dorfleben ist eben, dass man so die Möglichkeit hat viele verschiedene Vögel zu sehen als zum Bleistift in der Stadt. Das sehe ich ja hier bei uns in der Stadt. Die einzigen Vögel die sich zeigen sind Tauben, Elstern, Amseln und wenn man Glück hat, auch mal ein Spatz.
Da ist die Vielfalt bei Vati schon bedeutend größer.

Das fängt bei Blau- und Kohlmeise an, geht weiter über Grünfink, Kleiber, Gimpel, Elster und Amsel, bis hin zu Kernbeißer, Eichelhäher und Buntspecht. Besonders im Winter tummeln sich etliche Vögel an den Futterplätzen und ganz ehrlich... sie zu beobachten ist besser als fernsehen.

Nur mit dem fotografieren durch die Fensterscheibe ist es immer schwierig, denn kaum nähere ich mich diesem vorsichtig mit dem Handy ...*schwupps*... sind sie auch schon weg. Aber manchmal gelingt es doch...


Einen Kernbeißer (... die größte in Europa lebende Finkenart) habe ich so noch nie gesehen, da sich diese Vögel überwiegend im Wald aufhalten. Aber nicht selten findet man sie an Futterstellen. Es ist ein Männchen was man schön an seinem auffälligen Gefieder erkennt. Die Weibchen sind, wie sooft, nicht ganz so bunt gefärbt. Sie haben auch diese Musterung, aber nur in unterschiedlichen Brauntönen. Bei ihnen fehlt zum Bleistift die auffällige Kopffärbung, die bei den Männchen rot-orange-braun ist und bei den Weibchen nur in hellbraunen Tönen zu sehen ist. Ebenso fehlt bei ihnen die kräftig schwarze "Augenmaske". Kernbeisser haben ihren Namen daher, weil sie mit ihrem auffälligen massigen Schnabel selbst Kirschkerne knacken können, um an ihr schmackhaftes Inneres zu kommen.
Es ist sehr interessant zu beobachten, wie geschickt sie Sonnenblumenkerne knacken, um an den energiereichen Kern zu kommen.


Da ist er nochmal. Er kommt immer alleine ohne ein Weibchen. Jedenfalls habe ich noch keines gesehen.


Am meisten tummeln sich diese Vögel an den Futterstellen. Links eine Blaumeise (Weibchen, erkennt man mitunter an der weniger auffälligen blaune Färbung des Federkleides, besonders die Kopffedern leuchten in nicht so starkem Blau wie die der Männchen) und rechts eine Kohlmeise (Männchen. erkennt man am leuchtenden Federkleid, an der starken Schwarzfärbung der Brust, die Weibchen sind von der Farbe her matt und die Schwarzfärbung an der Brust ist weniger ausgeprägt, bis durchbrochen).
Diese beiden Vögel werfen sich regelmässig aus den Nistkästen, sie konkurrieren quasi darum. Ist immer ulkig anzusehen, wenn sie sich wieder darum zanken, wer nun in den ausgewählten Nistkasten einziehen darf.

Neben dem Kernbeißer finde ich Gimpel (... auch Dompfaff genannt) einfach wunderschöne Vögel. Die Männchen sind mit ihrer kräftig roten Brustbefederung eine Augenweide. Auf dem Kopf haben sie eine tiefschwarze Haube. Der Schnabel ist, wie beim Kernbeißer, massig nur etwas kleiner. Die Weibchen sehen bis auf die roten Brustfedern aus wie die Männchen. Diese sind bei den Weibchen hellbraun.


Diese flauschige Federkugel ist ein Gimpelweibchen... und krank. Wenn ein Sing- oder Wildvogel krank ist, dann ist er zu 95% verloren. Die Kleine fiel mir schon vor ein paar Tagen auf, durch ihr aufgeplustertes Gefieder und ihre Kraftlosigkeit. Auch versteckte sie immerwährend ihr Köpfchen unter den Flügeln.
Da sie den Futterplatz blockierte, habe ich sie dort rausgeholt. Sie war federleicht und zitterte wie Espenlaub. Auch wehrte sie sich nicht, sie war einfach zu schwach. Da ich ein Mensch bin, der nichts unversucht lässt, wenn es um Tiere geht, habe ich sie mit reingenommen.


Da saß sie nun in der Wohnstube, trank als hätte sie Ewigkeiten kein Wasser gesehen und kackte wohl wie nie in ihrem Leben zuvor. Dann steckte sie ihr Köpfchen unter einen Flügel und schlief ganze zwei Stunden lang in denen sie sich weder durch Lärm, unsere Stimmen noch durch mein gelegentlichen antasten stören ließ. Sie hörte irgendwann auf zu zittern und auch plusterte sie sich nicht mehr so auf. Da sie wieder lebhafter wurde, ging ich mit ihr nach draußen unter die Veranda, den es hätte nichts gebracht sie länger im Haus zu haben.


In unserem Dorf gibt es einen Tierfutterhandel und der Besitzer hat auch eine Falknerei. Diesen rief ich an, um mich zu erkundigen, was ich noch tun könnte. Er machte mir wenig Hoffnungen das sie durchkommt, aber das war mir von vorn herein klar. Das aufwärmen und Wasser geben war gut, ebenso das füttern von gepulten Sonnenblumenkernen und zerkleinerten Walnüssen. Nun musste sie selber zurechtkommen.
Ich habe sie in eine Schüssel gesetzt, die mit einem dicken Lappen ausgelegt war, dazu ein Schälchen Wasser und etwas zu fressen. Dort saß sie noch mindestens eine Stunde, trank und fraß.
Später saß sie dann in der Haselnuss. Was aus ihr geworden ist weiß ich nicht. Entweder sie hat überlebt oder ein Raubvogel oder ein Marder haben sie geholt. Aber so ist die Natur, entweder überleben oder sterben.


Liebe Grüße
eure Anna

Kommentare:

  1. Oh jeh, arme Kleine. Man gut, dass du da warst!
    Ich freue mich schon auf eure Gartenbilder dieses Jahr!

    Bis dahin, deine Jule

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    1. Hey meine Gute,
      vielleicht hat sich die Kleine erholt und fliegt nun wieder munter durch die Gegend. Was ich aber nicht glaube. Vati hat sie, seit ich weg bin, nicht mehr gesehen.
      Ich mich auch, wenn es denn mal richtig los geht :)

      Bis dahin, deine Anna

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  2. Vielleicht hat sie überlebt und kommt Dich mal wieder besuchen. Wir hatten mal einen Spatz hochgepäppelt, der dann immer wieder bei uns vorbeigeschaut hat.
    Herzliche Grüße, Angela

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    1. Vielleicht, vielleicht auch nicht, wer weiß :)
      Das ist doch schön, das euch euer kleiner Freund immer mal besucht hat. Es ist doch schön helfen zu können.

      Liebe Grüße
      Anna

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  3. Ach mensch. Ich hätte es wohl gleich getan. Finde das super von dir!

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    1. Ich auch Mona, aber ich wollte nicht unnötig eingreifen, sondern habe erstmal beobachtet. Bei Wildtieren muss man ja ein bisschen mehr aufpassen.

      Liebe Grüße
      Anna

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Die Liebe ist wie eine köstliche Blume, aber man muss den Mut haben, sie vom Rande eines schauerlichen Abgrundes zu pflücken. -Stendhal-